Sind Duftkerzen schädlich? Was die Messwerte zeigen
Chigozie OgbuebeleSind Duftkerzen schädlich? Ganz harmlos sind sie nicht – aber die Gründe dafür sind meist andere als die, die man in Ratgebern liest.
Wir gießen unsere Kerzen selbst, in Wien, und haben uns für diesen Artikel durch die Studienlage gearbeitet. Einiges davon hat unsere eigenen Produkttexte korrigiert. Hier steht, was tatsächlich gemessen wurde, was davon im Alltag zählt und worauf du beim Abbrennen achten kannst.
Die kurze Antwort
Duftkerzen setzen beim Abbrennen Feinstaub, Stickoxide und VOC frei, deutlich mehr als unbeduftete Kerzen. Gemessen hat das eine Laborstudie, die 2021 im Fachjournal Environment International erschienen ist. Die daraus berechneten Werte für einen normalen Wohnraum lagen bei den meisten Stoffen aber klar unter den geltenden Richtwerten. Ob ein Risiko entsteht, hängt an drei Dingen: wie viel du abbrennst, wie groß und wie gut gelüftet der Raum ist, und wie empfindlich du bist.
Giftig im Sinne einer akuten Vergiftung sind Duftkerzen nach dieser Datenlage nicht. Es geht um die Belastung der Raumluft über die Zeit.
VOC steht übrigens für flüchtige organische Verbindungen. Das sind Stoffe, die schon bei Zimmertemperatur in die Luft übergehen. Alles, was du riechen kannst, gehört dazu – die Orangenschale genauso wie frische Wandfarbe. Manche sind harmlos, andere reizen die Atemwege.
Was dagegen fast keine Rolle spielt: aus welchem Wachs die Kerze besteht. Das war für uns die größte Überraschung, und weiter unten steht, woher dieser Befund kommt.
Wenn du zu einer Risikogruppe gehörst – Asthma, Allergien, Schwangerschaft, Säuglinge im Haushalt –, ist Zurückhaltung angebracht. Die Verbraucherzentrale rät von Duftkerzen grundsätzlich ab. Das ist eine Vorsorgeempfehlung und kein Nachweis akuter Schäden bei normalem Gebrauch, aber sie gehört dazu.
Was beim Abbrennen entsteht
Eine Kerze ist eine kleine offene Verbrennung in deinem Wohnzimmer. Dabei entsteht zwangsläufig etwas.
Ultrafeine Partikel. Eine einzige brennende Kerze setzt rund 53 Billionen ultrafeine Partikel pro Stunde frei – Teilchen unter 100 Nanometer. Die Zahl stammt vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. Ein Team um Alfred Wiedensohler hat dafür über 18 Monate den Feinstaub in 40 Wohnungen in Berlin und Leipzig gemessen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal Indoor Air.
Feinstaub, messbar im Alltag. Wie stark sich das im Raum niederschlägt, zeigt ein Praxistest des Messgeräteherstellers air-Q: Fünf beduftete Teelichter in einem Raum von etwa 22 Quadratmetern ließen die Feinstaubwerte über rund zwei Stunden von 6 bis 7 auf 26 bis 28 Mikrogramm pro Kubikmeter steigen – etwa das Vierfache. Der Anbieter verkauft Luftmessgeräte, das Ergebnis ist also mit einem Interesse verbunden. Als Größenordnung taugt es trotzdem.
Ruß beim Löschen. Wenn du eine Kerze auspustest, entstehen deutlich größere, sichtbare Rußpartikel – ähnlich denen in Tabakrauch. Der unscheinbarste Handgriff des Abends ist einer der schmutzigsten.
Mehr, sobald es zieht. Eine flackernde Flamme verbrennt unvollständig. Bei weit geöffnetem Fenster bilden sich dadurch erheblich mehr Rauch und Schadstoffe als bei ruhiger Flamme. Lüften ist richtig – nur nicht, während die Kerze brennt.
Und wie gefährlich ist das jetzt? Die Studie von 2021 hat ihre Messwerte auf einen normalen Wohnraum umgerechnet und mit geltenden Richtwerten verglichen. Bei den meisten Stoffen lagen die Werte deutlich darunter. Bei drei nicht immer: Stickstoffdioxid, Acrolein und Benzo[a]pyren.
So eindeutig ist das allerdings nicht, denn die Richtwerte selbst sind es nicht. Die Autoren weisen darauf hin, dass solche Werte je nach Herkunft weit auseinanderliegen. Beim Acrolein ist der Grenzwert so streng angesetzt, dass er unterhalb der Messbarkeit liegt – man kann also gar nicht feststellen, ob er eingehalten wird.
Was bleibt: Bei normalem Gebrauch in einem gelüfteten Raum sprechen die Daten nicht für ein akutes Risiko. Für eine Entwarnung reichen sie nicht.
Warum das Wachs kaum entscheidet
Die bekannte Erzählung geht so: Paraffin ist ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung, pflanzliche Wachse wie Soja, Raps und Kokos sind die bessere Wahl. Wir haben das selbst lange so geschrieben.
Die gründlichste Untersuchung dazu erschien 2021 im Fachjournal Environment International. Ein Team um den Innenraumluft-Chemiker Tunga Salthammer verbrannte unter Laborbedingungen vier Wachsarten – Palmwachs, Paraffin, Sojawachs und Stearin –, jeweils mit fünf verschiedenen Duftvarianten und einmal ohne Duft. 24 Messreihen insgesamt. Das Ergebnis in ihren eigenen Worten: Keine einzelne Wachsart zeigte ein durchgängig besseres Emissionsprofil als die anderen.
Eine Einordnung gehört dazu: Finanziert wurde die Studie von den Kerzenverbänden Europas, Nordamerikas und Lateinamerikas sowie von sieben Duftstoffherstellern. Die Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben. Bei einer industriefinanzierten Studie lohnt trotzdem ein zweiter Blick, gerade bei beruhigenden Ergebnissen. Für den Wachsbefund spielt es wenig Rolle, weil die Branche alle vier Wachsarten verkauft – und der zweite Hauptbefund fällt sogar gegen die Interessen der Geldgeber aus: dass gerade der Duft die Emissionen treibt.
Beim Ruß gibt es Abstufungen – die Verbraucherzentrale nennt Stearin als teilweise günstiger gegenüber Paraffin. Aber „teilweise günstiger beim Ruß" ist etwas völlig anderes als „unbedenklich, weil pflanzlich". Und es ist kein Grund, eine Kerze zu kaufen.
Was die Emissionen tatsächlich treibt, ist die Verbrennung selbst: Dochtlänge, Zugluft, Flackern, Löschmethode, Raumgröße, Brenndauer. Das sind alles Dinge, die du beim Abbrennen steuerst – nicht der Hersteller beim Gießen.
Unsere Duftkerzen im Glas bestehen aus Raps-Kokos-Wachs, unsere übrigen Kerzen aus Sojawachs oder einer Sojawachsmischung. Du findest bei uns nirgends „paraffinfrei" auf dem Etikett – nach dieser Datenlage wäre es kein Qualitätsmerkmal.
Was wirklich entscheidet: der Duft
Hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen einer Kerze und einer Duftkerze – und hier liegt auch der Punkt, um den sich die Behörden kümmern.
Der Duft ist der Treiber, nicht das Wachs. Dieselbe Studie von 2021 fand bei den VOC eine Spanne von 70 bis 14.388 Mikrogramm pro Kerze und Stunde – ein Unterschied um mehr als das Zweihundertfache, und er geht fast vollständig auf den Duft zurück. Bei Formaldehyd reichte die Spanne von 17 bis 360 Mikrogramm pro Kerze und Stunde. Unbeduftete Kerzen lagen durchgehend am unteren Ende.
Der Mechanismus ist simpel: Die Duftmoleküle werden mit dem flüssigen Wachs in den Docht gezogen, geraten in die Flamme und zersetzen sich dort. Was du riechst, ist nicht nur verdampftes Duftöl – ein Teil davon verbrennt. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts kam entsprechend zu dem Ergebnis, dass Duftkerzen die Raumluft stärker mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Feinstaub belasten als unbeduftete Wachslichter. Salthammers Messungen deuten zusätzlich darauf hin, dass blumige Düfte etwas mehr emittieren als würzige.
Allergene sind das Hauptthema der Behörden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, bewertet im Auftrag der Bundesregierung die gesundheitlichen Risiken von Produkten und empfiehlt Grenzwerte. 2013 hat es sich zu Kerzen klar positioniert: Allergene Duftstoffe sollten darin nur erlaubt sein, wenn sie den Anforderungen für Kosmetik oder Spielzeug entsprechen. Die Begründung ist bemerkenswert nüchtern: Duftstoffe erfüllen in einer Kerze keine technologische Funktion. Das BfR empfahl, die über 55 allergenen Duftstoffe zu beschränken, die in Spielzeug bereits verboten sind. Im selben Dokument fordert es, Blei vollständig aus Kerzen zu verbannen, und schlägt für Nickel eine Obergrenze von 0,6 Nanogramm pro Gramm Kerze vor.
Das Kennzeichnungsproblem. Deklariert werden müssen nur 26 potenzielle Allergene. Alles andere kann als „Parfum" im Datenblatt stehen. Genau daran scheitert der gut informierte Käufer: Du kannst nicht nachlesen, was du einatmest.
Und „ätherisch" ist kein Freifahrtschein. Zimtaldehyd, der Hauptduftstoff von Zimtöl, muss in Kosmetik wegen seines Allergiepotenzials deklariert werden. Wer sich für die Duftfamilien interessiert, findet mehr dazu in unserem Artikel zu den Duftnoten.
Flammenlos ist nicht automatisch besser. Eine Studie der Purdue University (Patra et al., Environmental Science & Technology Letters, 2025) hat 15 handelsübliche Duftwachs-Schmelzen untersucht. Die freigesetzten Terpene reagieren mit Ozon in der Raumluft zu Nanopartikeln – in Konzentrationen, die mit brennenden Kerzen vergleichbar sind. Eine unbeduftete Schmelze erzeugte keine. Der Duft ist der Auslöser, nicht die Flamme. Das gilt auch für unser Duftwachs – falls du es wegen der fehlenden Flamme für die unbedenklichere Variante gehalten hast.
Welche Duftkerzen sind unbedenklich?
Welche Duftkerzen sind unbedenklich? Streng genommen keine, denn jede offene Flamme emittiert. Weiter bringt dich die Frage, woran du eine Kerze erkennst, die bei vernünftigem Gebrauch vertretbar ist.
- Auskunftsfähigkeit über den Duft. Kann der Hersteller sagen, welche Duftstoffe drin sind und welche Allergene deklariert werden müssen? Das ist das Kriterium, das dem BfR-Befund am nächsten kommt – und das, bei dem kleine Manufakturen einen echten Vorteil haben, weil sie ihre Lieferkette kennen.
- Eine moderate Duftkonzentration. Mehr Duftöl heißt mehr VOC. Eine Kerze, die dich schon ungebrannt aus zwei Metern anspringt, ist kein Qualitätssignal.
- Ein Docht ohne Metallkern. Baumwolle, kein Draht.
- Das RAL-Gütezeichen, wenn vorhanden. Es stellt Anforderungen an Wachs, Docht, Farben und Lack für emissionsärmeres Abbrennen. Die Prüfung ist für kleine Manufakturen meist zu aufwendig – ihr Fehlen ist also kein Warnsignal, ihr Vorhandensein aber ein gutes Zeichen.
- Größe passend zum Raum. Eine Kerze im Schlafzimmer ist etwas anderes als fünf Teelichter auf 22 Quadratmetern.
Was kein brauchbares Kriterium ist: „paraffinfrei", „100 % natürlich", „vegan" oder „Sojawachs" als Gesundheitsversprechen. Nach den Messdaten sagt die Wachsart über die relevanten Emissionen praktisch nichts aus – so schön diese Angaben auf einem Etikett auch aussehen.
Sieben Regeln fürs Abbrennen
Das ist der Teil, der im Alltag tatsächlich etwas bewirkt.
- Docht auf maximal einen Zentimeter kürzen, vor jedem Anzünden. Ein zu langer Docht bedeutet eine flackernde, unvollständige Verbrennung – und damit Formaldehyd, PAK, Stickoxide und Ruß.
- Nicht auspusten, sondern ersticken. Den Docht kurz in das flüssige Wachs drücken oder einen Löschhut verwenden. Auspusten erzeugt die groben, sichtbaren Rußpartikel.
- Zugluft vermeiden. Nicht vor das offene Fenster, nicht in den Durchgang, nicht neben den Ventilator.
- Nach dem Löschen lüften, nicht währenddessen. Verbrennungsreste lassen sich durch Lüften schnell aus dem Raum bringen.
- Brenndauer begrenzen. Zwei bis vier Stunden am Stück reichen für den Duft und halten die Belastung überschaubar.
- Eine Kerze statt fünf. Die Menge macht die Dosis. Das gilt für Feinstaub genauso wie für Duftstoffe.
- Nicht im Schlafzimmer brennen lassen, während du schläfst – aus Brandschutzgründen ohnehin nicht, und die Belastung willst du über acht Stunden auch nicht.
Was zählt und was nicht
| Faktor | Einfluss | Wer steuert das |
|---|---|---|
| Dochtlänge und Zugluft | hoch | du |
| Löschmethode | hoch | du |
| Anzahl Kerzen und Raumgröße | hoch | du |
| Lüften nach dem Abbrennen | hoch | du |
| Duftstoffe und Duftkonzentration | mittel bis hoch | Hersteller |
| Docht mit oder ohne Metallkern | mittel | Hersteller |
| Wachsart (Paraffin, Soja, Raps, Stearin) | gering | Hersteller |
Vier der fünf wirksamsten Hebel liegen bei dir. Das ist die eigentlich gute Nachricht dieses Artikels.
Was wir über unsere Kerzen sagen können – und was nicht
Wir gießen in Wien, in kleinen Chargen, von Hand. Was wir dir dazu sagen können:
- Duftkerzen im Glas: Raps-Kokos-Wachs. Unsere übrigen Kerzen bestehen aus Sojawachs oder einer Sojawachsmischung.
- Wir kennen unsere Duftöle. Sie kommen von einem Hersteller, der Sicherheitsdatenblätter liefert. Wenn du wissen willst, welche deklarationspflichtigen Allergene in einem bestimmten Duft stecken, schreib uns – wir schauen nach. Genau diese Auskunft hält das BfR für sinnvoll. Und sie ist der Punkt, an dem eine kleine Manufaktur besser dasteht als ein Großanbieter: Wir überblicken unsere Lieferkette.
- Dochte ohne Metallkern. Bei unseren Duftkerzen im Glas wählst du zwischen Holz- und Baumwolldocht. Kein Draht, kein Blei, kein Nickel im Docht – das ist eines der drei Themen, bei denen das BfR konkret Grenzen fordert.
- Eine moderate Duftkonzentration. Wir dosieren so, dass der Duft den Raum trägt, ohne ihn zu übernehmen.
- Rund 40 Stunden Brenndauer bei unserer Duftkerze im Glas. Bei zweieinhalb Stunden pro Abend sind das etwa 15 Abende.
Was wir nicht behaupten: dass unsere Kerzen keine Emissionen haben. Dass Pflanzenwachs sie gesund macht. Dass eine Duftkerze für jeden geeignet ist. Wenn du Asthma hast oder schwanger bist, ist die Antwort vielleicht einfach „nein", und das sagen wir dir lieber hier als nach dem Kauf.
Wenn du es trotzdem gemütlich willst und die sieben Regeln oben beherzigst: Unsere Duftkerzen findest du hier, die Kerzen mit Spruch sind unser Klassiker zum Verschenken.
Drei, mit denen du nach diesem Artikel nichts falsch machst:
- Golden Hour – Tabak, Honig und Tonka. Warm und etwas erwachsener als die meisten Duftkerzen. Du wählst hier zwischen Holz- und Baumwolldocht, beide ohne Metallkern. 24 Euro, rund 40 Stunden.
- Parisian Butter – Butter, Milch und Vanille, also ein Croissant kurz nach dem Ofen. Ein Gourmand-Duft aus unserer Bakery Collection. 24 Euro.
- Sicilian Sunrise in der Dose – Limette, Basilikum, Mandarine. Für 10 Euro der unaufwendigste Weg herauszufinden, ob dir eine Duftkerze im Raum überhaupt gefällt, bevor du dich für eine große entscheidest.
Alle drei sind bewusst nicht blumig: Salthammers Messungen zeigen bei blumigen Düften etwas höhere VOC-Werte als bei würzigen. Der Unterschied ist nicht quantifiziert und kein Grund zur Sorge – aber wenn man die Wahl hat, kann man sie auch in diese Richtung treffen.
Fazit
Duftkerzen sind nicht harmlos. Sie setzen Feinstaub, VOC und Stickoxide frei, und beduftete Kerzen mehr als unbeduftete. Der Hebel, an den die meisten dabei denken – das richtige Wachs –, ist allerdings der schwächste von allen. Die starken Hebel sind der gekürzte Docht, die ruhige Flamme, das Ersticken statt Auspusten, eine Kerze statt fünf und das Fenster danach.
Wenn du empfindlich bist, schwanger bist oder ein Baby im Haus hast, ist Zurückhaltung die richtige Entscheidung. Für alle anderen gilt: bewusst abbrennen statt nebenbei – und einen Hersteller wählen, der dir sagen kann, was drin ist.
Häufige Fragen
Welche Duftkerzen sind gesundheitlich unbedenklich?
Völlig unbedenklich ist keine Duftkerze, weil jede offene Flamme Feinstaub und VOC freisetzt. Vertretbar wird es bei moderater Duftkonzentration, einem Docht ohne Metallkern, einem Hersteller, der über die enthaltenen Duftstoffe Auskunft geben kann, und vor allem bei richtigem Abbrennen: Docht auf einen Zentimeter kürzen, Zugluft vermeiden, ersticken statt auspusten, danach lüften.
Sind Duftkerzen krebserregend?
Beim Abbrennen entstehen Stoffe, die in hohen Konzentrationen als krebserzeugend gelten, darunter Formaldehyd und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Entscheidend ist die Konzentration, nicht das Vorhandensein: In der Laborstudie von 2021 lagen die berechneten Raumluftkonzentrationen bei den meisten Stoffen deutlich unter den Richtwerten, Benzo[a]pyren war allerdings in fünf von 24 Messreihen nachweisbar. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das in Deutschland gesundheitliche Produktrisiken bewertet, hat zusätzlich auf Nickel hingewiesen, das eingeatmet als krebserzeugend gilt, und eine Obergrenze von 0,6 Nanogramm pro Gramm Kerze vorgeschlagen.
Ist Raumduft im Schlafzimmer schädlich?
Im Schlafzimmer kommen zwei Dinge zusammen: ein meist kleinerer Raum und eine lange Aufenthaltsdauer. Eine Kerze sollte dort nie unbeaufsichtigt oder über Nacht brennen – das ist schon aus Brandschutzgründen ausgeschlossen. Wenn du das Zimmer beduften willst, brenne die Kerze eine bis zwei Stunden vorher ab, lösche sie und lüfte, bevor du schlafen gehst.
Welcher Raumduft ist nicht gesundheitsschädlich?
Es gibt keine emissionsfreie Variante. Auch flammenlose Alternativen sind nicht automatisch besser: Eine Studie der Purdue University von 2025 fand bei Duftwachs-Schmelzen Nanopartikel in Konzentrationen, die mit brennenden Kerzen vergleichbar sind – ausgelöst durch die Reaktion der Duftstoffe mit Ozon in der Raumluft. Am wenigsten Belastung erzeugt schlicht Lüften; wenn es duften soll, gilt für alle Varianten dasselbe: sparsam dosieren, gut lüften, im kleinen Raum zurückhaltender sein.
Sind Duftkerzen in der Schwangerschaft schädlich?
Belastbare Studien speziell zu Duftkerzen in der Schwangerschaft gibt es kaum. Weil Schwangere zu den Gruppen gehören, für die Behörden generell zur Vorsicht bei Innenraumbelastungen raten, ist Zurückhaltung die naheliegende Entscheidung – unbeduftete Kerzen oder einfach Lüften sind die risikoärmere Wahl. Sprich das im Zweifel bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an.
Macht es einen Unterschied, ob die Kerze aus Sojawachs oder Paraffin ist?
Für die gesundheitlich relevanten Emissionen kaum. Eine Laborstudie im Fachjournal Environment International verglich 2021 Palmwachs, Paraffin, Sojawachs und Stearin in 24 Messreihen und fand, dass keine einzelne Wachsart ein durchgängig besseres Emissionsprofil hatte als die anderen. Beim Ruß gibt es kleinere Abstufungen, aber die Wachsart ist der schwächste Einflussfaktor. Was tatsächlich zählt, ist der Duftanteil – und wie du die Kerze abbrennst.
Quellen
- Salthammer, Gu, Wientzek, Harrington, Thomann: Measurement and evaluation of gaseous and particulate emissions from burning scented and unscented candles, Environment International 155, 2021 (finanziert von den Kerzenverbänden Europas, Nordamerikas und Lateinamerikas sowie sieben Duftstoffherstellern; die Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben)
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Blei, Nickel und allergene Duftstoffe in Kerzen sollten begrenzt werden (Stellungnahme vom 11.11.2013)
- Verbraucherzentrale: Kerzen – Schadstoffe vermeiden
- Spektrum der Wissenschaft: Kerzen – Ein Feinstaub freisetzendes Lichtlein brennt (zu den Messungen von Wiedensohler, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, und den Laboranalysen von Tunga Salthammer)
- Patra et al.: Flame-Free Candles Are Not Pollution-Free – Scented Wax Melts as a Significant Source of Atmospheric Nanoparticles, Environmental Science & Technology Letters, 2025
Über die Autorin: [NAME], [ROLLE] bei Makagi. Wir gießen unsere Kerzen von Hand in Wien. Zuletzt aktualisiert im [MONAT JAHR].